Dienstag, 21. oktober 2008 2 21 /10 /2008 20:56
Sooooooooo,
da ich mich ja allgemein schwer tue, über alltägliche Dinge zu schreiben, gab's einen Monat lang nichts, das in meinen Augen berichtenswert war. Ich denke, es ist weniger interessant für euch, was ich esse wieviel ich trinke und welche Klausuren ich geschrieben habe.

Aber jetzt, endlich, ist was interessantes passiert. Ich habe es doch tatsächlich geschafft, meinen Hintern aus Santiago zu bewegen. Und im Nachhinein, weiß ich wirklich nicht warum ich aus dieser Stadt nicht schon eher entflohen bin. Jedenfalls war ich in Pucón, das liegt etwa 800km oder 11 Busstunden südlich von Santiago und die Landschaft dort erinnert mich sehr stark an die Südinsel Neuseelands. Einige meinen, es sähe aus wie Bayern, kann sein, kann das nicht beurteilen. Außerdem stehen überall Holzhäuser aber auch riesige, moderne Hotels nur McD und Starbucks fehlen noch (zum Glück), kurzum Pucón ist ein kleines, Städtchen, das sich mit enormer Geschwindigkeit in eine Touristenstadt verwandelt.
 
Die Attraktion Pucóns ist neben Rafting und dem See "Villarrica" vor allem der Vulkan. Das Ding misst etwa 2900 m und ist bis Dezember mit Schnee bedeckt. Das ganze erinnert ein bisschen an "Dante's Peak", für alle die sich diesen Klassiker amerikanischer Filmkunst angesehen haben.

Da ich natürlich ein anständiger Tourist bin, habe ich mich entschlossen, die deutsche Fahne dort oben zu hissen. Und am sehr frühen Samstagmorgen ( 5 Uhr) ging es dann mit einer Gruppe von 12 Personen, Israelis, Franzosen, Amis, Engländer, Brasilianern und natürlich uns, den unvermeidbaren Deutschen auf in Richtung Spitze.

Ich wusste selbst nicht ob ich dort oben ankommen würde, immerhin hatte ich mich in den letzten 3 Monaten nicht ein einziges Mal sportlich verausgabt. Die Gruppe sah insgesamt ziemlich witzig aus, mit Eispickel und Helm bewaffnet und in neongelben Schneeanzügen stapften wir dem Sonnenaufgang entgegen.

Ziemlich schnell wurde klar, dass sich einige in der Gruppe überschätzt hatten und so gab es ziemlich schnell 2 Gruppen, die langsamen und die noch langsameren. Und auf circa der Mitte der Strecke war es dann soweit, 2 Mädels mussten umkehren. Die Bergführer selbst hat das nicht weiter gestört, schließlich, laufen sie die 8 km bis zur Spitze und sind sicher nicht böse, wenn sie mal früher umkehren dürfen.

Nach ungefähr 6 Stunden Zickzack den Berg hoch waren wir dann oben angekommen und wurden direkt von einer Schwefelwolke begrüßt. Den Geruch von faulen Eiern erwartet man ja eher in Santiago als auf 2800m Meter Höhe. Der Wind pfiff auch ganz ordentlich und da wir eigentlich alle vollkommen verschwitzt obenankamen, haben wir uns auch alle erkältet. Oben auf dem Gipfel standen wir dann etwa 20 Minuten, haben was gegessen und dann ging es bergab - auf dem Hosenboden. Dazu haben wir uns so eine Windel umgeschnallt, damit unsere Hose nicht aufreißt.... ein Heidenspass.  Um 3 Uhr nachmittags war ich dann wieder glücklich und zufrieden und um einige Fotos reicher in meinem Hostel in Pucón, habe was gegessen und mich dann um 8 ins Bett gelegt... Habe herlich geschlafen.

Am nächsten Tag ging es dann an die heißen Quellen, die dort in der Gegend sprudeln, sehr ,sehr angenehm.


Jetzt sitze ich in der Uni und plane schon meinen nächsten Trip.
Vermutlich geht es an den Ort einer Niederlage, die für uns Deutsche noch schwerer wiegt als der Waffenstillstand von Compiègne.

Ich fahre nach Cordoba.

Fotos lade ich noch hoch.

Küssche

michi

von Michi
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